Mut zur Lücke
Professor Doktor Aleksandar Bjelic raucht dann gerne auch mal eine dicke Zigarre. Die Uhr an seinem Handgelenk ist mächtig, sie passt – wie die Zigarre – eher nicht zu seinem schwäbischen Akzent. Der Professor hat einen Lehrstuhl an der Universität in Belgrad, er war davor 15 Jahre Lehrbeauftragter an der Hochschule Aalen, sein Fachgebiet liegt im «Risk Management in Contemporary Organizations». Jetzt sitzt er tiefenentspannt in der «Smokers Lounge» im «Drivers and Business Club» in München – und harrt der Dinge, die da wahrscheinlich auf ihn zukommen. Gut, man könnte auch sagen: Noch eine weitere wiedergeborene Auto-Marke braucht es nun wirklich nicht. Oder: Yugo, das war doch das Ding, das einst von Jeremy Clarkson mit dem Panzer erschossen wurde, das noch manch einen vielleicht grossartigen, aber meist eher unrühmlichen Filmauftritt hinter sich hat, das Automobil, das allgemein als «the worst car in the world» gilt. Warum kommt Bjelic auf die Idee, ausgerechnet am untersten Ende der automobilen Hackordnung den Erfolg zu suchen, wenn es schon ganz oben, Hispano-Suiza, Facel-Vega, Delahaye, etc. nicht funktioniert? «Die Welt braucht günstige Autos», sagt er, «bezahlbare Verbrenner. Das ist das, was sich die Menschen leisten können, kaufen wollen – da besteht ein gewaltiger Bedarf». Hat der smarte Professor recht? Hat er, definitiv. Und nein, er hat auch gar nicht erst das Bedürfnis, sein Auto selber zu bauen – siehe: «Risk Management» -, er will sein hübsches, sauber durchgerechnetes Projekt eines bezahlbaren (unter 20’000 Euro), knapp über 4 Meter langen, von einem vernünftigen Benziner (maximal 120 PS) angetriebenen «Yugo» einem möglichst grossen Partner verkaufen, Stellantis, heisst es in den einschlägigen Medien, sei sehr interessiert. Der Professor lächelt nur, das kann er gut, charmant – und wir bleiben dran.


Es war dies eine der spannenden Begegnungen am #cardesignevent in München, eine ausgezeichnet organisierte Veranstaltung mit vielen interessanten Gesprächspartnern. Wir haben dort auch zum ersten Mal den VW Every1 gesehen, mit dem Designer gesprochen, den Kia EV2 erstmals nicht nur auf Bildern betrachtet, lange mit der Innen-Designerin geplaudert, dazu mit dem Pagani-Designer gesprochen, einen Lancia Delta S4 bewundert, in der Garage einen Lancia Stratos gefunden. Und dann war da noch dies: Als ich im vergangenen Jahr in China war, da hatten mich schon ein paar Fahrzeuge beeindruckt. In erster Linie der Avatr 12 (ausgesprochen als One, Two), nicht bloss, weil er mit seinen 5,02 Metern Länge bei nur 1,45 Meter Höhe eine doch stattliche Erscheinung ist. Sondern vor allem deshalb, weil er im Stadtverkehr mit seiner schlichten Eleganz wirklich auffallen konnte. Nun ist Design bislang nun wahrlich nicht die ganz grosse Stärke der chinesischen Hersteller (auch wenn viele von ihnen längst Europäer angeheuert haben), vielleicht erregt der Avatr 12 deshalb noch mehr Aufmerksamkeit. Und dann kürzlich, eben am #cardesignevent, steht genau ein solches Fahrzeug – mit chinesischen Nummernschildern – direkt vor meiner Nase. Und während ich mir noch die Nase plattdrückte, um einen Blick auf das Innenleben zu erhaschen, kam ein junger Mann vorbei, auf 150 Meter als Kreativer erkennbar, Bart, wilde Frisur, viel Schmuck, ähnlich viele Tattoos, erzählte mir, dass er für das Design-Center von Changan in München arbeite, erzählte mir auch sonst dies und noch das, stellte den Avatr auf die Wiese, damit ich ein paar Photos machen konnte. Oh doch, ziemlich beeindruckend, sehr saubere Verarbeitung, sehr edle Materialien, richtig viel Platz (auch hinten). Und eben: ein adrettes Fahrzeug, aussen wie innen. Avatr ist eine (der vielen) Premium-Marken in China, eine Kooperation von Changan, dem Batterien-Hersteller CATL und Huawei. Der 12 kommt in der Top-Version mit Allradantrieb, 578 PS, einer 117-kWh-Batterie und einer (chinesisch gemessenen) Reichweite von bis zu 700 Kilometer. Die heftigste Variante kostet in China umgerechnet 55’000 Dollar – und war wohl auch deshalb und mit rund 25’000 verkauften Einheiten im Jahr 2024 einer der Gründe, weshalb es den elektrischen Oberklasse-Limousinen in China nicht mehr so gut lief. Übrigens: Bald schon kommt der EinsZwei in Europa in den Verkauf, zuerst in Norwegen, ab spätestens 2027 soll er auch in Mitteleuropa erhältlich sein.









Wir empfehlen sie immer wieder gerne, die Kommentare unter unseren Geschichten. Jetzt muss es einfach sein, unser Bashing des Porsche 911 «Spirit 70» mit seinem Zahngold am Heck, das hat doch ziemlich Wellen geworfen, eher so: Tsunami. Und dieser Artikel ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie grossartig die Interaktionen auf «radical» tatsächlich sind, nicht drei müde Zeilen mit Hass, sondern ausführliche Begründungen dafür und entgegen. Ja, mit Kritik können wir gut leben – wer keine Stellung bezieht, dem passiert solches sicher nicht.

Gut, nach diesen Zeilen zu einem aktuellen Porsche-Sondermodell brauchen wir wohl keine Angst zu haben, in Zukunft noch mit Testwagen oder guten Neuigkeiten aus Stuttgart versorgt zu werden. Damit können wir bestens leben – und es schmälert unsere Liebe zu den Klassikern keineswegs. (Wobei das Porsche ja auch wieder nicht genehm ist, man soll gefälligst einfach alles nur toll finden, auf gar keinen Fall Fragen oder etwas in Frage stellen.) Wir kümmern uns deshalb jetzt noch vermehrt um die seltenen Modelle – auch mit Fragezeichen, zuletzt war noch dies:


Wahnsinn ist auch, wie sehr unsere Sammlung der Mercedes 300 SL, die aktuell auf dem Markt sind, abgeht. Das verstehen zwar die meisten Betrachterinnen nicht, sie jubeln über die Schönheit der Benzen, aber das kann uns ja egal sein, wir arbeiten in der Unterhaltungsbranche, da nehmen wir jede Form von Applaus (und wachsenden Leserzahlen) mit.

Und wo die Benzen sind, da darf ein BMW nicht fehlen. Erstaunlicherweise wecken die BMW M1 viel mehr Interesse als die BMW 507, aber wir haben halt auch Freud an guten Bildern, deshalb:

Das mit den guten Photos gilt auch andernorts: Wir haben da einen Ferrari 365 GTB/4 in einem eigentlich ganz klassischen Rosso Chiaro (mehr, auch spannendere Farben gibt es: hier). Doch ebendiese Photos sind so gut, dass wir einem «Daytona» eine eigene Geschichte widmen wollen.

Mehr Ferrari? Aber gern. Jeweils am Sonntag-Mittag gibt es auf unserer Facebook-Seite einen «frischen» Ferrari 275 GTB. Wir haben eine Sammlung begonnen mit den «Short Nose» und auch eine mit den «Long Nose», jetzt ist die Reihe an den 275 GTB/4. Da erklären wir selbstverständlich auch die Unterschiede.

Apropos Sonntag und Facebook: Da gibt es jeweils abends einen Hypercar. Die vergangenen zwei Wochen haben wir dem McLaren Sabre und dem McLaren Solus gewidmet. Und ganz neu kommt jetzt auch noch eine Sammlung der wahrlich grossartigen Speedtail dazu, da freuen wir uns schon – auch deshalb, weil es da einige Missgriffe gibt.

Bleiben wir in England: Da gibt es diese sehr, sehr ausführliche Story zu den Aston Martin Lagonda. Sicher eines der eigenwilligsten Automobile aller Zeiten – und allein schon deshalb eine unbedingt empfehlenswerte Geschichte. Nach der Lektüre weiss man vielleicht auch, warum die Briten etwas anders sind.

Das ist aber nur eine weitere der vielen guten Stories, die wir bieten können. Auch sehr schön ist der Maserati A6G/54 mit der Chassis-Nummer #2175. Halt leider nicht einer der so extrem wertvollen Zagato, sondern «nur» ein Allemano-Coupé. Das erklärt dann so einiges:

Immer für gute Geschichten gut sind auch die Alfa Romeo 6C 1750. Ein paar davon haben wir schon gesammelt, sehr schöne Bilder können wir selbstverständlich auch bieten, also: viel Vergnügen.

Alfa Romeo 6C 1750 – die Sammlung
Alfa, da haben wir noch mehr, etwa einen T33/2 Daytona, der – vielleicht – der erste mit dem 2,5-Liter-V8 war. Und – vielleicht – tatsächlich lange im afrikanischen Dschungel stand, bevor er gerettet wurde. Und sollte dem allem – vielleicht – nicht so sein, dann sind doch immerhin die Bilder gut.

Alfa Romeo T33/2 Daytona – #75033015
Und dann gleich noch eine Alfa-Story, TZ, #750061. Der einzige mit «Double Bubble»-Dach. Das hatte auch seinen Grund, denn erster Besitzer war ein wahrlich grosser Mann. Wir lieben das, dann kann man ein bisschen nachlesen, Nabokov (ich muss jetzt endlich mal «Pale Fire» lesen), Pavarotti – danke dafür.

Und halt immer wieder schön, wenn wir neues Material finden:

Lamborghini Miura P400SV – #4946
Nicht ganz so schön ist es bei einem weiteren Lamborghini, dem Revuelto. Da wollten wir eigentlich auch ganz gepflegt eine Sammlung beginnen, doch dann passierte das:

Lamborghini Revuelto – eine Sammlung?
Das ist natürlich noch nicht alles, auf unserer Facebook-Seite kündigen wir jeweils an, wenn wir unsere Sammlungen erweitern können, zentral sind da natürlich die wöchentlichen Ferrari F40, aber auch «Numbers», die seltenen US-Cars. Sie dürfen uns da jederzeit folgen, da gibt es immer wieder «Extras». Ansonsten: Bleiben Sie uns gewogen.
PS: Dieser Newsletter wurde auf dem Campingplatz von Splügen in den Bündner Bergen verfasst. Eigentlich wäre ich ja auf dem Weg in die Nähe von Zagreb (Sie können sich vielleicht denken, um welche zwei Marken es dort geht), wollte heute noch nach Italien. Doch mein so werter Defender hat ein technisches Problem: er tropft. Diesel. Da brauche ich jetzt zuerst einmal einen Mechaniker/Bastler, ich mag da nicht selber Hand anlegen, es fehlt mir auch an Werkzeug. Aber ich hab das Bett samt Schlafsack ja mit dabei, es dürfte zwar frisch werden heute Nacht, aber ein bisschen Abenteuer und Lebenslust tun immer gut.


Spannend und informativ wie immer! Meine Lieblinssonntagabendvordeminsbettgehenlektüre!????????????????
YUGO2..
Es ist schon erstaunlich, dass man nach 20 Jahren SUV-wampen-kübeln,
potthässlich und sau teuer ( das Klientel mag Augenkrebs und die adephöse
Darstellung ihrer wh. 4 Hirnzellen) langsam auf die Idee kommt, das da was war.
Richtig.
ÜBERSCHAUBARER PREIS!
Ob das nun Yug2 ist, oder ein Volchswogen Pollo ( dt. : Huhn) ist egal.
Wenig Geld wurde für etwas ausgegeben, das tut was es soll.
Dazu kommt, das man in Europa 30 50 70 100 km/h hat.
Wehe dem, der meint.
Und da alles verstopft ist, oder bebaustellt oder entparkplatzt, weil urban
now livestyle se Rad fährt ( um den Kaufpreis eines YUGO2), nacher Haaafamilch,
weil das Gacken gehen so hart ist, und weil es hip ist, social geteilt, why not.
Wenn ich mir die Grauskübeln von Schkooda ansehe, eine nach oben gezogen
Peinlichkeit, mit dem beworben benefit ( welcher?) oder die 0 8 15 Chinesen, diese
Gefängnisswägen aus einer Diktatur, dann si derYUGO2 schon cool.
Das mein Lancia Delta Integrale ( gestern geholt.. viel Arbeit) natürlich end cooler
ist klar. Aber das sind ja dann auch schon mal 7 bis 8 YUGO2 in Geld, bis fertig.
Der passt gut zwischen den 991 3.0 1985 und den 993 er..
Und ein Alfa Spider 1969, an dem knabber ich noch.. ( molto espensivio)
RADICAL MAG THE LAST LINE FOR CARS and nerds.. 🙂
maximale Grüße OLo
«Die Welt braucht günstige Autos», sagt er, «bezahlbare Verbrenner. Das ist das, was sich die Menschen leisten können, kaufen wollen – da besteht ein gewaltiger Bedarf».
Echt jetzt? Wo?
Vielleicht auf der Welt ohne Nordamerika, Europa, Südkorea, China und Japan.
Ausserdem ist der mit knapp 20.000 nicht billig und alle wollen vier Türen, sogar bei einem winzigen Up /Jeremy Clarkson: „Up Ausrufezeichen“).
Hyundai i10, ein prima Wägelchen und Dacia Sandero sind weit billiger und nicht die ganze Welt schreit danach.
Abgesehen davon sieht er fesch aus, irgendwie wie ein moderner Golf 1.
Yugo allerdings, weckt bei mir keine guten Assoziationen (Schrottauto, Jugoslawienkrieg).
So ein Auto für die Stadt und zum Einkaufen am Land, sollte durchaus elektrisch sein und ich bin kein Nerd in dieser Beziehung.
Lieber Rolf, da bin ich ganz bei Ihnen, davon abgesehen, daß das Auto tatsächlich ziemlich gut ausschaut, halte ich es jetzt auch nicht für die automobile Revolution, es gibt doch immer noch eine ganze Reihe gut funktionierender Kleinwagen, auch wenn es in den letzten Jahren einen deutlichen Schwund im Angebot gegeben hat – VW Up! und Fiat 500 als Benziner sind nur zwei der vom Markt verschwundenen Autos, dazu sind es noch die beiden attraktivsten, neben dem Honda e, der allerdings als Elektroauto eine Klasse höher angesiedelt ist.
Und, ja, solch ein Auto sollte, jedenfalls in unserer Welt, wahrscheinlich von Anfang an als Elektroauto konzipiert werden, da gebe ich Ihnen völlig Recht.
Und: Der Name geht gar nicht, der ursprüngliche Yugo war furchtbar und die Assoziation mit dem furchtbaren Krieg wird einem Verkaufserfolg bestimmt nicht dienlich sein, außer vielleicht bei Peter Handke…
Sehe ich genauso. Die Welt braucht dringend leistbare Elektroautos. Gern im sehr ansprechenden Design des Yugo 2. Als ich „Verbrenner“ las, dachte ich, ich seh nicht richtig.
Er ist so aufgebaut, dass er auch elektrisch könnte. Aber dann wird es teurer (etwa 25k). Und man sieht gerade im östlichen und südlichen Europa auch mittelfristig einen höheren Bedarf an Verbrennern.
Ist ja nicht ganz abwegig, „mehrgleisig“ zu fahren, denn es gibt und wird Regionen geben, da ist`s mit dem Stromnetz „net weit her“.
Nur mit dem Namen habe ich auch so meine Zweifel. Aber Zastava geht eigentlich auch nicht gut.
Aber, was weiß ich schon, vielleicht ist ja schon Gras über den Namen gewachsen und nur noch wir älteren Semester erinnern uns an der Ur-Yugo und vielleicht gibt es auf dem Balkan auch Leute, die mit dem Namen gute Erinnerungen verbinden wie wir mit unseren Marken oder Autonamen.
Schaun mer mal, was das wird. Witzig wär das schon, wenn die zumindest einen kleinen Achtungserfolg mit dem Auto verbuchen könnten. Oder die „Großen“ kaufen es weg, damit dem eigenen Zeugs keine Konkurrenz erwächst.
Abwarten und Tee trinken.
Ob der geänderten politischen Verhältnisse schlage ich vor: die elektrische Version Serbo, die Benziner Croato.
Werter Herr Ruch,
wenden Sie sich bei Gelegenheit mal diesem Unternehmen bzw. dieser Thematik zu:
https://www.pursangweb.com.ar/
dazu folgender Artikel aus der Oldtimer Markt
https://michisoldtimer.com/2017/07/09/pursang-mal-anders/
Diese Ausgabe bzw. diesen Artikel hatte ich mir damals bei einem entspannten Urlaub am Comer See mehrfach inhaliert. Ich finde den Ansatz faszinierend.
Das Original ist zu wertvoll, aber der Fahrspass soll wieder hergestellt werden.
Und das in Argentinien – einfach bewundernswert.
Gruß aus LE
danke für den Input, ich kenn die Jungs, auch ein paar Ihrer Fahrzeuge. Zu gern würde ich sie halt in Argentinien besuchen, aber das hat sich bisher noch nicht ergeben. Und so aus dem «Trockenen» mag ich halt keine Geschichten schreiben.